Remade: Hans Scheugls 'Wien 1170, Schumanngasse'


Österreich 2021
Regie, Kamera: Karl Wratschko
Produktion: Karl Wratschko zusammen mit God's Entertainment
Dauer: 2 Minuten 40 Sekunden
Drehformat: 16mm, s/w, stumm
Vorführformat: 16mm und DCP

Gefördert durch: Kulturabteilung der Stadt Wien - MA7, SHIFT III - Basis Kultur Wien

SYNOPSIS:

Jänner 1967: Ein unscheinbare Gasse in Wien. Eine Kamerafahrt in einer einzigen Einstellung vom Anfang bis zum Ende der Gasse. Vor 53 Jahren drehte Hans Scheugl „Wien 17, Schumanngasse“ auf einer 30,5 Meter-Rolle 16mm-Film. Die Dauer der Filmrolle war dabei identisch mit der Dauer der Durchfahrt. 1,6 Kilometer in 2,5 Minuten.

Jänner 2020: Wieder die gleiche unscheinbare Gasse in Wien, wieder eine Fahrt durch die Schumanngasse. In der Kamera läuft wieder ein 16mm-Filmstreifen von 30,5 Meter Länge. Hohe Geschwindigkeit. Erste augenscheinliche Erkenntnis: Sie fuhren damals schnell.




1I15

Österreich 2020
Regie, Produktion, Kamera: Aleksandra Kolodziejczyk und Karl Wratschko
Sprecherin: Karolina Preuschl
Postproduktion: Johannes Gierlinger
Dauer: 3 Minuten 23 Sekunden
Drehformat: 16mm, s/w, stumm
Vorführkformat: 16mm und DCP

Gefördert durch: Land Steiermark - CINEART, Kulturamt der Stadt Graz

Weltpremiere: Kassel DokFest

SYNOPSIS:

In Graz tragen rund 94% aller personenbezogenen Straßen die Namen von Männern, nur 6% der Straßen sind nach Frauen benannt. Der Film '1I15' dokumentiert alle Verkehrsflächen in Graz, die nach Frauen benannt sind. In jeweils einer Einstellung rücken die Straßen in den Blick der Zuschauenden und immer näher ans Stadtzentrum heran. Der Film '1I15' ist eine Bestandsaufnahme, ein Beitrag zur aktiven Erinnerungskultur und Geschlechtergerechtigkeit sowie eine kritische Befragung nach der Repräsentanz von Frauen im öffentlichen Raum, der symbolisch auch für andere gesellschaftliche Bereiche stehen kann.





PRÄSENZ

Österreich 2020
Regie, Produktion, Kamera: Aleksandra Kolodziejczyk und Karl Wratschko
Postproduktion: Johannes Gierlinger
Dauer: 6 Minuten
Drehformat: 16mm, s/w, stumm
Vorführformat: 16mm und DCP

Gefördert durch: Kulturabteilung der Stadt Wien - MA7, Otto Mauer Fonds, Zukunftsfonds der Republik Österreich

Weltpremiere: Kassel DokFest
Preis: EXP:AN:DED SHORTS JURY AWARD beim Filmfestival "This Human World" (Wien)

SYNOPSIS:

In den meisten Städten ist die Repräsentanz von Frauen im Stadtbild weit entfernt von einer Geschlechterparität. In Wien tragen rund 90% aller personenbezogenen Verkehrsflächen die Namen von Männern. Der Film Präsenz rückt die nach Frauen benannten Verkehrsflächen Wiens in den Blick und somit ins Bewusstsein der Zuseher*innen. Gleichsam der eigenen Wahrnehmungsweise beim Durchqueren des öffentlichen Raums blitzen die 397 nach Frauen benannten Verkehrsflächen in jeweils einer Einstellung auf der Leinwand auf. Ein Count-Down-Effekt (Einstellungen geordnet von Peripherie bis Zentrum) weist auf die Wertigkeit und Verteilung der nach Frauen benannten Verkehrsflächen hin. Der Film Präsenz ist Bestandsaufnahme, ein Beitrag zur aktiven Erinnerungskultur und eine kritische Befragung nach der Repräsentanz von Frauen im öffentlichen Raum, der symbolisch für andere gesellschaftliche Bereiche stehen kann und in dem sich die Realitäten anderer Städte widerspiegeln.




mare liberum | mare clausum
Österreich 2019
Regie, Produktion, Kamera: Karl Wratschko
Dauer: 2 Minuten 40 Sekunden
Drehformat: 16mm, s/w, stumm
Vorführformat: 16mm und DCP

Realisiert mit Mitteln des Film-Auslandsstipendiums des Landes Steiermark

Premiere: Zeta Art Center & Gallery, Tirana

SYNOPSIS:

Der Experimentalfilm 'mare liberum | mare clausum' visualisiert die Entwicklungsgeschichte der territorialen Eingrenzung der Weltmeere. Im 17. Jahrhundert verfasste der Jurist und Philosoph Hugo Grotius die über lange Zeit einflussreiche Schrift 'mare liberum'. In dieser plädierte er dafür, dass das Meer für alle frei zugänglich sein sollte. Niemand habe das Recht, anderen den Zugang zu verweigern. Eine Gegenposition ließ nicht lange auf sich warten. In 'mare clausum' argumentierte der britische Jurist John Selden einige Jahrzehnte später, dass das Meer analog zum Landterritorium zur nationalen Aneignung geeignet sei. Nach langen Disputen resultierte aus diesen Theorien eine Synthese. Das offene Meer ist nunmehr internationales Gewässer, die Küstennähe ist nationalisiert.

Der Film 'mare liberum | mare clausum' visualisiert die sich über Jahrhunderte abspielende Eingrenzung der Meere anhand der Variation von mehreren filmischen Techniken: Sieben unterschiedliche Aufzeichnungsgeschwindigkeiten (12, 16, 18, 20, 24, 48, 64 Bilder/Sekunde) gepaart mit sieben unterschiedlichen Einstellungsgrößen. Für jede Einstellung wurde dabei die gleiche Meteranzahl an 16mm-Filmmaterial verwendet, was zu einer unterschiedlichen Länge der sieben Einstellungen führte.




INDEX

Österreich 2018
Regie, Produktion, Kamera: Karl Wratschko
Dauer: 2 Minuten
Drehformat: 16mm, Farbe, stumm
Vorführformat: 16mm

Gefördert durch die Kulturabteilung der Stadt Wien - MA7

Premiere: Vienna Shorts, Wien. Teilnehmer: Österreich Wettbewerb

SYNOPSIS:

INDEX zeigt alle Botschaftsgebäude in Wien gereiht nach dem Corruption Perception Index 2016. Der Film besteht aus einer ungeschnittenen Rolle Umkehrfilm, auf der jede der 113 Botschaften in einer einzigen Einstellung festgehalten ist. INDEX ist ein formal-inhaltliches Experiment. In seiner holistischen Herangehensweise lehnt sich der Film an die fotografischen Werke von Eugène Atget und August Sander an. Darüber hinaus basiert INDEX auf einem phänomenologischen Ansatz, bei dem ein Phänomen der Stadt isoliert betrachtet wird. Das deskriptive Beschreiben dieses Teilausschnittes ermöglicht es, diesen Ausschnitt anders wahrzunehmen als im Gesamtgefüge des urbanen Raumes.

In ästhetischer Hinsicht erinnert INDEX an den Amateurfilm der 1950er bis 1970er Jahre. Eine Ära, in der sich zeitgenössische Intellektuelle ein Aufkeimen des politischen Filmemachens „von unten“ erhofften, da kostengünstigere Kameras und Filmmaterial zu einer verstärkten filmischen Tätigkeit in den sozio-ökonomisch schwächeren Schichten führte. Enttäuscht stellten die Intellektuellen jedoch bald fest, dass das Proletariat fast ausnahmslos ihre Weihnachtsfeiern oder ihre Kinder beim Spielen filmte. Teile der immer größer werdenden Mittelschicht dokumentierten darüber hinaus noch ihren Urlaub an der Adria. INDEX paart die formalistische Ästhetik des strukturalistischen Avantgardefilms mit der Schmalfilmästhetik des Amateurfilms. Durch die Abbildung politischer Realität setzt der Film somit einen Kontrapunkt gegen das oben erwähnte „familiäre Filmschaffen“ von Schmalfilm-Amateur*innen.


I HAVE SEEN THE FUTURE ...

Österreich 2018
Regie, Produktion, Drehbuch: Karl Wratschko
Kamera: Michael Bachhofer, Johannes Gierlinger
Schnitt: Johannes Gierlinger
Stimmen: Selina Graf und Lukas Weiss
Dauer: 7 Minuten 40 Sekunden
Drehformat: 16mm und HD, Farbe
Vorführformat: DCP

Gefördert durch das Land Steiermark - CINE ART

Premiere: Neue Galerie Graz im Universalmuseum Joanneum

SYNOPSIS:

Analog-Digital, scheiß egal. - In einem Kino wird eine Lecture-Performance vorbereitet. Während des ersten Probe-Durchlaufs der Performance kommt es zu einem Geplänkel zwischen der technisch-versierten Filmvorführerin und dem besonnen-manieriert vortragenden Intellektuellen. Beide machen sich Gedanken über ihr Metier und beide haben gute Argumente für ihre jeweilige Sichtweise. Trotzdem reden sie permanent aneinander vorbei...

"I have seen the future..." verhandelt die Transformation des Kinos von analoger zu digitaler Projektionstechnik, spöttelt ein wenig über Analog-Nerds, beleuchtet die oft leidvolle Beziehung zwischen Praktiker*innen und Theoretiker*innen und setzt sich auf satirische Weise mit dem aktuellen wissenschaftlich-künstlerischen Trend der Lecture-Performance auseinander. Über allem schwebt die obsolet gewordene Kinotechnik "Maxivision 48" und der kämpferische Einsatz des Filmkritikers Roger Ebert für diese Technologie.


PALE APRIL

Österreich 2016
Regie: Karl Wratschko
Musik: Maja Osojnik
Produktion: Maja Osojnik, Karl Wratschko
Schnitt: Johannes Gierlinger
Dauer: 6 Minuten 20 Sekunden
Drehformat: Found Footage, s/w
Vorführformat: DCP

Gefördert durch: Österreichischer Musikfonds

Premiere: Raum 35, Wien

SYNOPSIS:

Die narrative Klammer des Films stellt eine Frau auf einem Boot dar. Sie treibt einsam auf hoher See. Es folgt eine Schnittfolge aus Wolken, Wasser und Erde, die als Traumsequenz gesehen werden kann. Spiegelt sich hier die Gefühlswelt der Frau wider, welche eine Vielzahl von Emotionen in einem kurzen Zeitraum durchwandert? Erwacht sie am Ende aus einem Traum? Klar ist, sie bleibt einsam auf dem Boot zurück.

In 'Pale April' stammt das gesamte verwendete Footage aus dem Internet. Es ist verteilt auf einige Portale, die Filme zum 'Non-commercial-use' zur Verfügung stellen. Entsprechend ist auch die Qualität der Footage, welches weit entfernt vom üblichen Standard von sendetauglichen Footage-Materialien liegt. Doch gerade darin liegt der genuine Reiz dieser Quellen. Sie sind nicht nur von analogen Artefakten gezeichnet, sondern auch von unzählbaren Mutationen geprägt, welche die permanente Migration von Daten auslöst. Das Resultat dieser unkontrollierbaren analogen und digitalen „Fehler“ ist eine originäre Bildsprache, welche viel von unserem heutigen Umgang mit historischen Bildquellen erzählt.


MONTE NERO

Österreich 2014
Regie, Produktion, Drehbuch, Schnitt: Karl Wratschko
Kamera, Schnitt: Johannes Gierlinger
Sounddesign, Ton: Peter Kutin
Dauer: 6 Minuten 6 Sekunden
Drehformat: 16mm, HD, s/w und Farbe
Vorführformat: 35mm und DCP

Gefördert durch: Bundeskanzleramt, Kulturabteilung der Stadt Wien - MA7 und Land Steiermark - CINEART

Premiere: "Changing Perspectives Film Festival", Istanbul

Preis: Bester Kurzfilm beim "Mexico International Film Festival"

SYNOPSIS:

Der Experimentalfilm MONTE NERO beschäftigt sich in einer filmästhetischen Refexion mit dem Themenkomplex Krieg und Erinnerung. Ausgehend von Tagebuchaufzeich- nungen aus dem Ersten Weltkrieg spiegelt MONTE NERO technische, ästhetische und medienhistorische Entwicklungen des Mediums Film der letzten hundert Jahre wider.

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Veränderungen in der filmischen Kriegsberichterstattung, im speziellen auf jenen, die aus dem Wechsel von analoger zu digitaler Bildaufzeichnung resultier(t)en. Das Montagekonzept von MONTE NERO folgt der metrischen Form mit Anleihe an die Parallelmontage. Im Gegensatz zur klassischen Form besteht eine Handlungslinie ausschließlich aus Sequenzen von Schwarzkadern. Diese werden, im Gegensatz zu den kürzer werdenden Bildteilen der zweiten Handlungslinie, im Laufe des Films immer länger. Die Narration auf sprachlicher Ebene erschließt sich mithilfe eines Voice-Overs, welches unter Einsatz der Cut-up Technik gestaltet wurde. Ein weiteres entscheidendes Element von MONTE NERO stellt das Sounddesign dar. Dieses setzt sich aus zahlreichen Field Recordings von den Originalschauplätzen zusammen und vermengt diese zu einer collagehaften Komposition.

Im Zusammenspiel erreichen diese filmischen Elemente einen hohen Grad an zeitlicher, räumlicher und narrativer Verdichtung. MONTE NERO kann darüber hinaus das Denken, Leiden und Hoffen eines einfachen Soldaten - während eines Kriegseinsatzes - den gegenwärtigen Rezipient*innen anschaulich vermitteln. Aus medienhistorischer Sicht postuliert MONTE NERO die These, dass das Entscheidende einer filmischen Dokumentation eine Aufzeichnung ist, egal mit welchem – wenn auch noch so fehlerbehafteten – Medium.